Publishing Project

2026-01-27, Peter Waibel

Eigentlich habe ich nur nach einem Text gesucht, den ich für eine kleine Übung zum Buchbinden verwenden wollte. Daraus ist tatsächlich ein kleines Projekt entstanden, dessen bisherigen Verlauf ich hier gerne schildern möchte.

Anleitungen zum Buchbinden

Für Anleitungen zum Buchbinden wird oft vorgeschlagen, vorbereitete PDFs mit vorgegebenem Inhalt zu verwenden. Diese PDFs werden beidseitig auf einem DIN-A4-Drucker ausgegeben. Danach beginnt die eigentliche buchbinderische Arbeit: DIN A4 zu DIN A5 falzen, zu einem Buchblock heften und mit einem Einband versehen.
Zwei Dinge haben mich an diesen Vorschlägen gestört: Zum einen wollte ich den Text selbst auswählen, zum anderen wollte ich keinesfalls das übliche DIN-A4-Papier auf DIN A5 falzen, um es so für den Buchblock zu verwenden. Verwendet man handelsübliches DIN-A4-Papier, dann liegen die Papierfasern längs zur langen Seite des Formats und nach dem Falzen quer. Selbst wenn man diese technischen Feinheiten als Laie nicht kennt, stellt man als Leser doch fest, dass sich ein Buch mit falscher Laufrichtung nur widerwillig blättern lässt.

Laufrichtung, längs, quer
Beispiel, quer
Beispiel, längs

Erste Ergebnisse

Bei diesem Bändchen wurde das Format so gewählt, dass das A4-Papier längs gefaltet wird. Die Heftung gelingt mit dem Werkzeug aus dem Nähkästchen, der Beschnitt auf das endgültige Format mit einem Stahllineal und einem scharfen Cutter.

Pressbengel, oben
Pressbengel, Inhalt
Pressbengel, Umschlag

Mein eigentliches Vorhaben, mich im Buchbinden zu üben, ist somit erst einmal auf ein eher voluminöses Heft geschrumpft. Das betrachte ich jedoch nicht als Nachteil, denn eine geheftete Lage von Blättern ist schließlich auch ein Bestandteil eines Buches, das aus vielen solchen Lagen bestehen kann. Wenn also die Herstellung eines Heftes gelingt, ist die erste Vorstufe zur Herstellung eines Buches erreicht, was ich dann mit anderen Texten auch durchgeführt habe.

Pressbengel, oben

Das Original

Wie bereits zu Anfang erwähnt, war ich auf der Suche nach einem Text für diese Übung. Ich wollte jedoch keinen fertig formatierten Text verwenden, da ich als gelernter Schriftsetzer meine Kenntnisse anwenden wollte. Auch einen neutralen „Lorem ipsum” wollte ich nicht verwenden. So stolperte ich über den Text „Der Pressbengel” von Ernst Collin, der erstmals 1922 im Euphorion-Verlag erschienen ist und heute gemeinfrei verwendet werden kann.

Pressbengel, oben

Der Plan

Mittlerweile hatte ich den Plan gefasst, dieses Projekt so zu dokumentieren, dass es von anderen leicht nachgebaut werden kann. Zunächst hatte ich den Text in Adobe InDesign aufbereitet. Dann entschloss ich mich jedoch, auch andere Anwendungen wie Affinity, Microsoft Word und LibreOffice auszuprobieren, da diese leichter zugänglich und erschwinglicher sind.

Affinity, Vorbemerkungen
Affinity, Impressum, Titel

Für das Projekt plane ich, hauptsächlich gemeinfreie Texte zu verwenden. Den Inhalt möchte ich im Original wiedergeben, allerdings mit angepasster Typografie. Die Schrift für den Inhalt soll sich möglichst deutlich von Schmutztitel, Vorbemerkungen des Herausgebers, Impressum und Nachwort unterscheiden. Vermischungen mit den Inhalten des Originals möchte ich vermeiden. Das Impressum soll die Quelle deutlich benennen.

Die Machart

Der hier angewandte Satzspiegel von 82 mm Breite wird durch das gefalzte Druckformat DIN A4 auf 105 mm bestimmt, was allerdings auch noch beschnitten werden muss. Bei etwa 30 ineinander gesteckten und gefalzten Blättern, wie in diesem Fall, werden die inneren Seiten in der Breite deutlich mehr beschnitten (100 mm) als die äußeren (104 mm). Das Endformat 104 × 191 mm ist im Vergleich zu einem sonst üblichen Buchformat von 110 × 178 mm etwas extrem und der Art der Produktion geschuldet.

Pressbengel, Inhalt
Pressbengel, Umschlag

Die Notwendigkeit, Textinhalte optisch ansprechend zu gestalten, besteht seit Jahrhunderten und hat auch für alle digitalen Darstellungsformen nicht an Bedeutung verloren. Die Aufbereitung von digital verfügbaren Texten zu einem Buch aus Papier, wie ich es hier beschreibe, ist nicht teuer. Die notwendige Zeit ist rein wirtschaftlich kaum zu rechtfertigen. Es sei denn, man schätzt es, eine Kulturtechnik zu beherrschen oder es gibt die Aufgabenstellung, einen Text zu publizieren, der ohne elektrischen Strom gelesen werden kann.

Verweise

Dieser Artikel bildet den Auftakt zu einer Serie, die das Setzen, Drucken und Binden von Heften, Broschüren und Büchern beschreibt. In diesen Artikeln möchte ich auf die Besonderheiten eingehen, die sich durch die Beschränkung auf die Verwendung üblicher Bürodrucker im DIN-A4-Format und möglichst einfacher Buchbinderwerkzeuge ergeben.
pw-work.com/de/articles

DAS Bookbinding

Allen, die sich intensiver mit dem Thema Buchbinden beschäftigen möchten, empfehle ich die englischsprachigen YouTube-Videos von Darryn Schneider.
youtube.com/c/DASBookbinding

Peter D. Verheyen

Über die Videos von Darryn Schneider bin ich auch auf Peter D. Verheyen aufmerksam geworden. Er ist Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen zum Umfeld des Buchbindens auf Englisch und Deutsch:
philobiblon.com/vita.shtml

The Bone Folder

Peter D. Verheyen hat auch das Werk „Der Pressbengel“ von Ernst Collin unter dem Titel „The Bone Folder“ ins Englische übersetzt:
pressbengel.blogspot.com

Die Collins

Neben Verheyens zahlreichen fachlich orientierten Publikationen hat mich „Die Collins” tief bewegt.

Die Collins

All jenen, die Gefallen an „Der Pressbengel“ gefunden haben, empfehle ich, diese Publikation als PDF herunterzuladen, auszudrucken, zu binden und anschließend zu lesen.
surface.syr.edu/cgi/viewcontent.cgi